ulrike arnold

earth

earth painter

Ulrike Arnold hatte intuitiv ihre neuesten Arbeiten "Experimente" genannt. Damit ist nicht das probierende Vorgehen von Seiten der Künstlerin gemeint, diese Bezeichnung zielt auf eine innere Dimension der neuen, insgesamt im Format kleineren Arbeiten, die im Laufe des Sommers 2002 in Arizona entstanden sind. Der Ausdruck der Ungewissheit im Ausgang eines Zusammenspiels der ausgegossenen Lache von Latex mit der Oberfläche des Wüstenbodens, die mit dieser Bezeichnung nach vorne gestellt wird, ist die des nicht abwägbaren Verlaufens und Stockens über und auf der Haut der natürlichen Erde, mit allen ihren kleinen Höhen, Rinnen und Furchen. Der amorphe Flecken, dieses "informe", zeigt die Hebungen und Senkungen der Plätze in der Landschaft, zeigt Terrain, nicht mehr nur ihren Taint. Das Unwägbare liegt weniger im ästhetischen Gefühl, in der gestaltenden Hand und in den Stop-Entscheidungen der Künstlerin. Es ist vielmehr als bisher der Konsistenz des wie ein Sensor arbeitenden fluiden und fluidären Trägermaterials anhand gegeben. So wie teilweise schon der Regen, dem Arnold verschiedentlich ihre Leinwände ausgesetzt hatte, mit seinen Verlaufsspuren in die Gestaltung der Bilder eingreifen durfte oder der Mond, in dessen Licht nur begrenzte Farbwerte bearbeitbar waren. Die Erde selbst, nun auch in ihrer je nach Landschaft unterschiedlichen Physiognomie, kommt in einigen Arbeiten durchaus wie eine nicht leicht zu beherrschende, ungemütliche, schlangengleiche Kraft einher. Arnolds neue Arbeiten verteilen nicht mehr bearbeitete Erden und binden sie zu Bildern, was die erdigen Farbtemperaturen, die Rauheit des Bodens abbildete und gleichzeitig die Formungsinitiativen der Künstlerin bezeugte. Ulrike Arnolds neue Arbeiten sind nicht Bilder, sondern Signaturen, Abzüge der Erde, in einmaliger Präsenz: diese sind nicht ähnlich, sondern sind die Erde selbst.

Dr. Wilfried Doerstel

Text about the latest latex works.